Rezension zu Die Unvollkommenen von Theresa Hannig

Die Unvollkommenen von Theresa Hannig

“Bundesrepublik Europa, 2057: Es herrscht Frieden in der Optimalwohlökonomie, einem lückenlosen Überwachungssystem, in dem mithilfe von Kameras, Linsen und Chips alles erfasst und gespeichert wird. Menschen und hochentwickelte Roboter sollen Seite an Seite leben. Störenfriede werden weggesperrt.
So auch die Systemkritikerin Lila. Als sie im Gefängnis aus einem künstlichen Koma erwacht, stellt sie fest, dass ihr schlimmster Albtraum wahr geworden ist: Die BEU wird von einer KI regiert. Samson Freitag wird als Gottkönig verehrt und erpresst von den Bürgern optimalkonformes Verhalten. Für Lila steht fest, dass sie Samsons Herrschaft und die Entmündigung der Menschen beenden muss. Ihr gelingt die Flucht, doch Samson spürt sie auf und bietet ihr einen Deal an, den Lila nicht ausschlagen kann…”
~ Klappentext

Meine Meinung

Das Buch ist in Science Fiction eingestuft, aber ich würde es auch direkt in Utopie schieben. Denn ich würde sagen, dass die Geschichte gar nicht so weit hergeholt ist. Jedenfalls in einigen Teilen.

Dass es KI, also künstliche Intelligenzen, gibt ist nichts Neues. Ich finde künstliche Intelligenzen extrem gruselig und beängstigend. Etwas, vom Menschen hergestellt, dass sich selber entwickelt. Vielleicht irgendwann denkt, dass es intelligenter ist als der Mensch (wäre nicht schwer!) und dann die Menschheit unter sich begräbt. Ja, die Vorstellung ist krass und leider nicht weit hergeholt.
Deswegen mag ich die Geschichte in diesem Buch unheimlich gerne. Die Autorin hat sich da was ausgedacht, was wirklich passieren könnte.

“Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten?”
~ Buchbeginn

Aber auch dieses Gedanke, dass die Menschheit sich so weit einschränkt. Dass alles nach einem perfekten Muster läuft und jeder Mensch an seinem Platz ist. Eigentlich ist es gar nicht so weit hergeholt, finde ich. Es ist bemerkenswert, dass die Autorin diese Ansätze hat. Dass sie das sie die Welt beobachtet und daraus diese Geschichte formt. Sie hat sich viele Kleinigkeiten genommen und die zu einem Buch gemacht, welches einerseits total drüber und andererseits total realistisch ist bzw. sein kann. Ich finde es gerade schwer auszudrücken. Es ist hoffentlich verständlich.

Ich mag den Schreibstil der Autorin total gerne. Sie ist schon sehr sachlich, hat aber die Emotionen am rechten Fleck. Da wo es übertrieben sein sollte, so wie bei dem Obergott Samson, ist es genau richtig. Und da wo Lila alles zu viel wird, ebenso. Die Autorin weiß was sie tut und das gefällt mir unheimlich gut. Ich habe den Eindruck, dass sie ihre Charaktere sehr mag und dass sie denen so viel Leben einhauchen möchte, wie sie kann. Sehr genial!

“Sie sollen gar nichts machen. Das heißt, Sie sollen keine staatsgefährdenden Straftaten mehr planen. Das würde uns schon ausreichen. Ansonsten verlangen wir nichts von Ihnen.”
~ S. 17

Entsprechend finde ich die Charaktere auch wirklich gut getroffen. Die rebellische Lila, die mit der ganzen Optimalwohlökonomie nicht klar kommt und dagegen ankämpft. Der Samson, der sich für einen Gott hält. Und dann eben die Nebencharaktere, die irgendwie alle an ihrem richtigen Fleck sind. Es gibt keine Charaktere, die ich für sinnlos halte. Auch hier ist auch jeder an seinen Platz. Schon ganz cool, dass das so durchgezogen wird.

Dieses Buch ist im Übrigen die Fortsetzung zu dem Buch “Die Optimierer”, lässt sich aber super alleine lesen. Natürlich ist es einfacher, wenn man die Vorgeschichte kennt. In dem vorherigen Buch geht es um Samson. Dem Samson, der hier in diesem Buch den Obergott macht. Es wird schon angerissen, wieso es überhaupt so weit gekommen ist und das reicht in meinen Augen vollkommen aus.

“Kennen Sie den Spruch von Shopenhauer:”Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will”?”
~ S. 194

Dass Europa als ein Land bezeichnet wird und nicht mehr unterteilt ist, habe ich jetzt schon sehr oft in Büchern gelesen. Ich finde es interessant, dass viele Autoren sich politisch, allerdings durch die Hintertür, äußern. Und ja, ich finde es auch gut.

Das Ende des Buches fand ich sehr interessant, weil nichts darauf hingedeutet hat, dass es so endet. Ich kann mich nicht entscheiden, ob es so okay ist oder ob ich es mir anders wünschen würde.
Trotzdem von mir gibt es eine dicke Leseempfehlung für dieses Buch.

Das Cover

Das Cover ist einfach passend zu dem Buch. Es ist schlicht und doch verspielt. Und es sagt alles aus, was man wissen muss.

Rezension Die Unvollkommenen von Theresa Hannig

Fazit

Teilweise schon sehr beängstigend, was überhaupt möglich sein könnte. Eine wirklich tolle Geschichte und ein großartiger Schreibstil. Jeder an seinen Platz.

Rezension Sterne
4/5 Sternchen
(ganz gut)
Rezension Die Unvollkommenen von Theresa Hannig

WerbungZum Buch
“Die Unvollkommenen” von Theresa Hannig
Science Fiction, Utopie
Bastei Lübbe | erschienen am 28. Juni 2019
400 Seiten | Taschenbuch | ISBN 9783404209477 | 10,00 EUR
Quellenangabe: Klappentext und Buchcover stammen vom Verlag.
Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsbuch. ♡

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