Rezension zu Das Tor von Basma Abdel Aziz

Das Tor von Basma Abdel Aziz

“Ein nicht näher benanntes Land im Nahen Osten: Seit der Niederschlagung der Revolution brauchen die Bürger für jede noch so kleine Kleinigkeit in ihrem Leben – sei es die Überweisung zum Arzt oder die Erlaubnis, Brot zu kaufen – die Genehmigung des Staates. Um die zu erhalten, müssen sie sich vor einem riesigen Tor anstellen, das angeblich jeden Tag nur einer gewissen Anzahl an Anträgen stattgibt. In Wirklichkeit aber öffnet sich das Tor niemals, und die Schlange der Menschen, die in der glühenden Hitze warten, wird länger und länger, ihre Verzweiflung immer größer. Und doch will keiner von ihnen die Hoffnung aufgeben, dass das Tor eines Tages aufgehen wird …”
~ Klappentext

Meine Meinung

Von einer arabischen Autorin habe ich bisher noch nichts gelesen und das ist auch einer der Gründe, warum ich dieses Buch unbedingt lesen wollte. Okay, dass es eine Dystopie ist hat da auch noch sehr viel zugetragen und auch der Klappentext. Eigentlich hat das ganze Paket für mich gestimmt, als das Buch bei mir eingezogen ist. Vielleicht hätte ich vorher mal in die Leseprobe lesen sollen. Dann hätte ich vielleicht nicht zu dem Buch gegriffen.

Denn der Schreibstil der Autorin ist sehr außergewöhnlich, was es mir sehr schwer gemacht hat. Sie nutzt viel die Worte “könnte” und “sollte”. Ich weiß, dass dieses zurückhaltende die Art vielleicht zur Autorin gehört und sie einfach so ist. Aber es hat mir unheimlich schwer gemacht dieses Buch zu lesen. Wenn ich mal drin war in der Geschichte, dann ging es und ich bin gut mitgekommen. Aber jedes Mal, wenn ich eine Pause machen musste, hatte ich wirklich Schwierigkeiten wieder ins Buch zu finden. Und das ist so unheimlich schade.

“Als Tarik am Morgen ins Krankenhaus kam, bat er als Erstes die Oberschwester um die Akte.”
~ Buchbeginn

Während des Lesens hatte ich immer wieder den Eindruck, dass sich die Geschichte im Kreis dreht. Das klingt jetzt negativer, als ich es meine. Ich sage es mal so, es passiert nicht viel in diesem Buch.

Das Setting ist mir da auch viel zu wenig. Beim Lesen hatte ich immer eine kleine Stadt mitten in der Wüste im Kopf. Ich weiß auch nicht. Vielleicht durch die Bilder aus den Medien, die mir Bilder aus Arabien in den Kopf gesetzt haben. Ich weiß nicht, ob die Autorin das so angestrebt hat. Auch das Setting rund um das Tor hätte mehr sein können.
Leider waren die Charaktere genauso oberflächlich. Es ist so schade!

“Dieser Ignorant, der sich für den einzigen Klugen hier hielt, hat getan, als wäre sein Verwandter ein kühner Ritter gewesen, der das Böse bekämpfte, und nicht eine jämmerliche Figur, die man von ihrer Scholle gerissen hätte, damit sie gegen ihren Willen in einer Sicherheitseinheit diente, von der niemand wusste, was sie eigentlich tat.”
~ S. 103

Die Geschichte finde ich nach wie vor extrem spannend. Und auch spannend, dass es als Dystopie ausgegeben wird. Denn der Klappentext könnte auch von einer Gegenwartsgeschichte sein. Ich finde es sehr mutig von der Autorin, dass sie es so aufgreift und in diese Geschichte verpackt. Sie greift diverse Dinge auf – eben viele Kleinigkeiten – die für uns in Deutschland selbstverständlich sind. Aber für die Autorin und andere Menschen (in ihrem Land?) nicht. Und es ist so krass, das so gezeigt zu bekommen. In einem Buch, welches eigentlich eine Dystopie sein soll. Es ist erschreckend, wie nah sie an der Realität ist.

Und genau das ist es, was das Buch für mich wieder raus reißt aus dem Loch, in das ich es geschubst habe. Vielleicht geht es in dem Buch gar nicht um die Geschichte selbst, sondern darum gehört zu werden. Ich weiß nicht, ob ich da zu viel reininterpretiere. Aber ich habe das Gefühl, dass ich das so in meiner Rezension niederschreiben sollte.

Und genau deswegen möchte ich auch jedem dieses Buch ans Herz legen. Vielleicht zum Augen öffnen, vielleicht aber auch um mal was anderes zu lesen. Denn auch wenn es sich sehr schwer lesen lässt, in meinen Augen, ist es ein besonderes Buch.

Das Tor von Basma Abdel Aziz

Fazit

Ein schwieriges Buch mit einem interessanten Thema, welches aus der heutigen Zeit stammen könnte.
Rezension Sterne
3/5 Sternchen
(okay)
Das Tor

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“Das Tor” von Basma Abdel Aziz
Originaltitel “(The Queue)”
Dystopie
Heyne Verlag | erschienen am 13.04.2020
288 Seiten | Taschenbuch | ISBN 9783453320468 | 14,99 EUR
Quellenangabe: Klappentext und Buchcover stammen vom Verlag.
Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsbuch. ♡

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4 Kommentare bei “Rezension zu Das Tor von Basma Abdel Aziz

  • Guten Morgen Steffi!

    Na da hast du es ja doch noch recht gut bewertet, auf jeden Fall einen Stern mehr als ich ;)
    Ich bin mit dem Stil leider gar nicht klar gekommen, die Handlung – wie du schon sagst – passiert nicht wirklich und man kommt einfach extrem schwer rein in diese Geschichte.
    Ich fand es auch so schade, denn es hörte sich alles wirklich toll an, aber mir sind beim Lesen immer meine Gedanken abgedriftet, ich konnte mich null konzentrieren und die Figuren waren so flüchtig … für mich leider nicht gut umgesetzt.

    Liebste Grüße, Aleshanee

    • Guten Morgen,
      ich hatte erst überlegt, ob ich zwei Sterne gebe, aber das fühlte sich falsch an für mich. Und halbe Sterne vergebe ich nicht. Deswegen sind es drei geworden.
      Das mit dem Abdriften ist echt fies. Und ein eindeutiges Zeichen. Kann dich da gut verstehen. :)

  • Hallo,
    Auch wenn es eine Dystopie ist, würde ich es wohl nicht lesen. Ich persönlich bin in der heutigen Zeit ein sehr geprägter Mensch durch die (negativen) Medien für arabische Länder, was ich sehr schade finde, denn dadurch verschließen sich meine Augen auch für die schönen Dinge in diesen Ländern. Wie du schon schreibst, finde ich es auch mutig von der Autorin und finde, dass viel mehr Menschen, so was lesen sollten.
    Liebe Grüße, Nina

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