Im Gespräch mit der Autorin Jasmin Thoma

Interviews mit Autoren und Autorinnen
Dass hinter jedem Buch ein/e Autor/in steckt, ist bekannt. Irgendwer muss sich ja diese mega Geschichte ausgedacht haben, die zwischen den beiden Buchdeckeln verborgen ist.
Aber leider bekommen diese viel zu wenig Aufmerksamkeit. Finde ich zumindest.

Deswegen möchte ich dir heute die Autorin Jasmin Thoma vorstellen. Ich persönlich kenne ihre Bücher leider noch nicht, aber vielleicht komme ich ja irgendwann dazu wenigstens eines zu lesen.

Hey Jasmin

Autorin Jasmin Thoma
© Jasmin Thoma

Wer bist du? Stell dich vor!
Hallo, ich bin Jasmin Thoma, 24 Jahre alt. Ich habe Ende letzten Jahres mein zweites Buch veröffentlicht.

Während ich in meinem ersten Roman „Ohne Identität“ meine eigenen Erfahrungen verarbeite, handelt mein zweiter “Der Ungläubige” von einem sozialen Thema, zu dem ich im Rahmen meiner Bachelorarbeit ausführlich recherchiert habe. Es geht um die Situation von Menschen, die aus muslimischen Familien kommen, selbst jedoch Atheisten sind. Diese Recherche war für mich eine interessante, aber auch schwierige Erfahrung. Damals hat es in Österreich, wo ich lebe, noch keine offiziellen Communities zu dem Thema gegeben. Deswegen musste ich um Interviews zu führen mit dem Zug nach Deutschland fahren. Die Menschen, mit denen ich dann gesprochen habe, haben oft sehr schlimme Dinge erlebt und die Konfrontation damit war teilweise emotional sehr belastend. Ich habe während meiner Forschungen auch die Erfahrung gemacht, wie wenig Bewusstsein in der breiten Öffentlichkeit zu dem Thema vorhanden ist. Deswegen habe ich mich entschlossen, es in Form einer fiktiven Geschichte zu behandeln.

Ich interessiere mich ganz allgemein für gesellschaftliche und politische Themen. Deswegen studiere ich Kultur- und Sozialanthropologie, jetzt im Master. Wenn ich gerade nicht mit dem Studium oder meinen Büchern beschäftigt bin, beteilige ich mich an sozialen Projekten. In meiner Freizeit nehme ich Gesangsunterricht. Außerdem mache ich gerne Ausflüge in der Natur. Natürlich lese ich auch privat, wenn sich das zwischendurch einmal ausgeht.

Seit wann schreibst du? Gab es ein ausschlaggebendes Erlebnis, das dich zum Schreiben gebracht hat?
Ich schreibe grundsätzlich, seit ich 11 bin. Anfangs nur Kurzgeschichten, sehr bald aber auch längeres. Ich habe zuerst hauptsächlich Fantasy geschrieben und erst später angefangen, mich mit realen Problemthemen auseinanderzusetzen. Ich habe mir immer gerne Geschichten ausgedacht. In der Volksschule bekam ich immer viel Lob für meine Aufsätze, hatte aber von Anfang an große Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung. Im Gymnasium wurde das dann zu einem echten Problem. Mein Vater hat damals vorgeschlagen, am Computer zu schreiben, wo ich ein Rechtschreibprogramm habe. So habe ich angefangen. Ich hatte schließlich schon immer in meinem Hinterkopf den Gedanken, einmal Bücher zu schreiben. Das ist in der Folge ziemlich schnell zu einem fixen Plan geworden.

Ein weiteres wichtiges Ereignis für mich war in meinem ersten Studienjahr, als ich in einen Betrugsfall verwickelt wurde. Daraus ist dann mein erstes Buch entstanden. Dadurch habe ich begonnen, reale Problemthemen aufzugreifen, und daraus Geschichten zu machen.

Liest du selber gerne Bücher und welches Genre? Hättest du vielleicht einen ultimativen Buchtipp?
Um ehrlich zu sein, habe ich die letzten Jahre hauptsächlich Sachliteratur gelesen. Ein großer Teil davon war für die Uni. Ich lese aber auch gelegentlich Biografien von Menschen, die in fremden Ländern, wie etwa Saudi Arabien, Somalia, Nordkorea etc. aufgewachsen sind. Das letzte derartige Buch, war “Frauen dürfen hier nicht träumen” von Rana Ahmad. Ich lerne viel, indem ich derartige wahren Geschichten lese, auch, wenn es manchmal nicht einfach ist, sich mit diesen Dingen auseinanderzusetzen.

Natürlich lese ich zwischendurch auch immer wieder Belletristik. Hier habe ich keinen ultimativen Buchtipp, weil ich nicht glaube, dass man irgendetwas an alle Menschen empfehlen kann. Natürlich gibt es Bücher, die objektiv gut sind, aber das heißt nicht, dass sie für jeden von uns geeignet sind. Ich weiß das auch aus eigener Erfahrung. Manche Bücher, die ich in meiner Jugend gemocht habe, finde ich jetzt als Erwachsene einfach grauenhaft. Umgekehrt hätte ich vieles, was ich jetzt lese früher nie gelesen. Ich bin zum einen durch meine eigene schriftstellerische Arbeit viel kritischer geworden, was Bücher, Filme, oder Geschichten im Allgemeinen betrifft. Aber vor Allem haben sich meine Interessen geändert. Es hängt einfach von so vielen Faktoren ab, welche Bücher man gerne liest. Deswegen kann ich keinen ultimativen Buchtipp abgeben.

Gibt es unter deinen eigenen Büchern ein Buch, das du am Liebsten magst? Warum?
Naja, ich habe ja erst zwei Bücher veröffentlicht. Davon mag ich mein zweites, “Der Ungläubige” am liebsten, weil es ein wirklich wichtiges Thema behandelt, das eigentlich viel mehr öffentlich thematisiert werden müsste. Ich glaube auch, dass es eine interessante Geschichte ist, mit der sich viele Menschen auf die ein oder andere Weise identifizieren können. Das trifft zwar auch auf mein erstes Buch zu, in dem ich meine persönlichen Erfahrungen verarbeite. Jetzt im Nachhinein stört mich aber, dass Menschen immer wieder, wegen diesem Buch Dinge über mich annehmen, die einfach nicht stimmen. Weil das Buch auf meinen Erfahrungen basiert picken sie sich selektiv die Dinge heraus, die in ihr Bild von mir passen, ziehen dann falsche Schlüsse; obwohl ich mehrfach darauf hingewiesen habe, dass nicht alles genauso der Realität entspricht. Natürlich bereue es nicht, das Buch geschrieben zu haben und dieses Thema, das Verbrechen, dem ich damals zum Opfer gefallen bin zu behandeln. Aber, wenn ich es heute schreiben würde, dann würde ich vielleicht das ein oder andere anders machen.

Der Ungläubige

“Amir kommt aus einer streng gläubigen, muslimischen Familie, ist selbst aber überzeugter Atheist. Er verheimlicht nicht nur seinen Unglauben, sondern auch seine Beziehung zu der Studentin Lydia- wissend, dass seine Eltern beides nie akzeptieren würden. Damit nicht genug sieht Lydias konservativer Vater Amir immer noch als Moslem und ist gegen die Beziehung. Zu allem Überfluss stößt Amirs islamkritische Haltung Lydias bester Freundin Natalie sauer auf. Schließlich wird ihnen klar, dass mehr auf dem Spiel steht, als bloß das Verhältnis zu ihren Familien und Freunden. Kann es für Lydia und Amir trotz allem eine gemeinsame Zukunft geben?
Diese Geschichte ist frei erfunden, wurde aber nach ausführlicher Recherche und mehreren Gesprächen mit Personen, die sich vom Islam abgewandt haben, geschrieben.”
~ Klappentext

Hast du eine Website und bist du im Social Media unterwegs? Und wie kann man dir folgen?
Meine Webseite ist aktuell noch in Arbeit. Da ich sehr viel anderes zu tun habe, komme ich da leider nicht so schnell voran, wie gehofft.
Ich bin aber auf Facebook, Twitter und Instagram aktiv.
Auf meiner Facebookseite https://www.facebook.com/Jas.Thoma/ bringe ich meistens Neuigkeiten bezüglich meiner Bücher oder damit in Zusammenhang stehenden Aktivitäten.
Auf Twitter diskutiere ich hauptsächlich über gesellschaftliche oder politische Themen. Auf Instagram poste ich über alles, was mich eben gerade beschäftigt. Man wird dort sicher alles Wesentliche rund um meine Bücher finden, aber eben viele anderen Sachen auch.


Vielen Dank liebe Jasmin, dass du dir Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten.
Kennst du schon das Buch von Jasmin?
Wenn ja, wie hat es dir gefallen?

Signatur Buchblog angeltearz liest

Quellenangabe: Klappentext und Buchcover stammen vom Verlag / Autor.

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4 Kommentare bei “Im Gespräch mit der Autorin Jasmin Thoma

  • Liebe Steffi,
    vielen Dank für dieses spannende Interview.
    Besonders interessant fand ich wie Jana Thomas zweiter Roman entstanden ist. Es ist eine ziemlich clevere Idee, die Recherche für die BA als Grundlage für eine fiktive Geschichte zu nutzen. Ich kann mir auch vorstellen, dass sich mit diesem Hintergrund auch leichter recherchieren lässt.

    Da ich selbst gerne schreibe und im Herbst meinen Debütroman veröffentliche, spreche ich auch immer wieder mit anderen (angehenden) Autor*innen. Viele von ihnen erzählen, dass ihre Romane oder Geschichten in den Genres spielen, die sie auch gerne lesen.
    Ich war froh, dass ich nicht die Einzige bin, bei der es ein bisschen anders ist :).

    viele Grüße

    Emma

  • Ein sehr interessantes Interview & das Buch macht neugierig, die BA als Recherche Grundlage zu nehmen ist auch eine gute Idee.

    Vielen Dank dir auch für deinen Kommentar, was gefällt dir an The Expanse nicht? :)

    Liebe Grüße

    Nadine

    • Hey Nadine,
      ich freue mich, dass dir das Interview gefällt. :)

      Das Buch war einfach nicht meins. Ich bin nicht reingekommen und dadurch war es unglaublich langweilig.

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